Creative Commons: Chance für Musiker und Label

Ohne GEMA geht’s nicht. Oder? Creative Commons Lizenzen bieten Künstlern und Labels neue Möglichkeiten.

ZOE.LEELA sieht sich selbst als Pionierin. Ihre erste EP Queendom Come wurde 2009 unter Creative Commons (CC) Lizenz BY-NC-ND veröffentlicht und binnen vier Wochen mehr als 34.000 mal heruntergeladen. Ein Erfolg, wie sie findet. Für die Veröffentlichung des nächsten Albums Digital Guilt (voraussichtlich 2012) hat sie sich Verstärkung gesucht.

Sie hat bewusst nach einem Major Label mit innovativen Konzepten gesucht, denn die Künstlerin will in „Eigenregie“ arbeiten und sich nicht abhängig vom Label machen. In Tim Renner und dessen Label Motor Music hat sie vielversprechende Projektpartner gefunden. „Das Label muss zum Dienstleister werden“, sagt Renner. Denn das Label saß bisher am längeren Hebel, hat Künstler entdeckt, begleitet und bekannt gemacht. Doch in Zukunft erteilen die Künstler den Labels den Auftrag, „die Distribution zu optimieren“, so Renner. Die CC Lizenzen stärken die Rechte der Künstler und tragen somit einen Teil zu dieser Entwicklung bei.

„Natürlich kann man mit CC-lizensierten Werken Geld verdienen“, sagt ZOE.LEELA und widerspricht damit dem Glauben, alle CC-Werke seien generell kostenfrei erhältlich. Sie selbst biete dem Fan an, für das Werk zu spenden oder übliche Bezahlmodelle zu nutzen. Das zweite Album wird beispielsweise auch über Apples Music Store iTunes kostenpflichtig erhältlich sein. Ohnehin, so Renner, müsse ein Künstler erst einmal ein großes Publikum erreichen, um gutes Geld verdienen zu können. Für kleine, unbekannte Künstler bieten CC-Lizenzen mehr Möglichkeiten bzw. Freiheiten als die Mitgliedschaft in der GEMA.

„Die GEMA kann man nicht ändern“, soll ein Vorstandsmitglied gesagt haben. Sie ist unflexibel und zu Starrheit verdammt, ist sich die Gesprächsrunde einig. CC-lizensierte Werke werden von der GEMA nicht vertreten. Darüber hinaus kennt die GEMA kein Vertretungsrecht. Das Stimmrecht orientiert sicht alleine am Umsatz – wer viel verdient, hat viel zu sagen. Somit haben die Profiteure des Systems das Sagen, die Neuen sind nicht vertreten. Ein weiterer Grund ist die Ausrichtung der Verwertungsgesellschaft: Während des angelsächsische Modell das einzelne Werk fokussiert, ist es im europäischen Modell der Künstler/Autor selbst. Das hat seine Vor- und Nachteile. Einmal in der GEMA, überwacht sie sämtliche Werke des Künstlers!

Das hat zur Folge, dass die GEMA an so gut wie allem mitverdient: Promo, verkaufte Alben, gespielte Songs im Radio und Live-Auftritte. Der Künstler erhält einen gewissen Teil seines Geldes durchaus erst nach einem Jahr zurück, bei Live-Auftritten soll der Anteil der GEMA sogar 55% betragen. Wenn es um das Radio geht, führt quasi kein Weg an der GEMA vorbei. „Das ist nur für bekannte Künstler im Mainstream interessant“, sagt Renner, denn die Musik muss erst einmal im Radio gespielt werden. Das Ganze wird durch so genannte Label Codes und die Paylists nachvollziehbar. Immerhin ganze 7 Cent springen für den GEMA Künstler pro gespielten Song dabei raus.

Die GEMA kümmert sich um die Wahrung der Rechte und die Vergütung der Verwendung der Werke. Die Diskussion klingt, als seien CC und GEMA miteinander unvereinbar. Grundsätzlich kann die GEMA eine CC Lizenz nicht für ungültig erklären, kann aber die kommerziellen Rechte für den Künstler wahren. Die GEMA ist die einzige deutsche Verwertungsgesellschaft. Sie ist Monopolist. „Zwei bis drei Alternativen wären nicht schlecht“, sagt Sommermeyer. Mit der C3S ist eine Verwertungsgesellschaft für CC in Planung.

Die GEMA bietet für bekannte Künstler viele Vorteile. Für junge Künstler stellt sie eher eine Hürde dar, sodass CC Lizenzen attraktiv sind. Obendrein, so ZOE.LEELA und Renner, stellen die CC Lizenzen eine Lösung für das Problem legaler Downloads dar, die de facto auf dem eigenen Rechner zu einer illegalen Kopie verkommen, denn die CC Kopie ist und bleibt legal: Creative Commons is about sharing!

Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung der Veranstaltung Zoe.Leela & Motor: Erstes Creative-Commons-Release auf einem Major Label, die am 4. November 2011 im Rahmen des #a2n_camps in Berlin stattfand. An der Diskussion nahmen der Musikjournalist Ruben Jonas Schnell, Konrad Sommermeyer (Geschäftsführer der Guerilla Entertainment GmbH), Tim Renner (u.a. Label Motor Music) und die Künstlerin ZOE.LEELA teil.

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Das funkt!

Kommende Woche finden in Bremen drei erstklassige Veranstaltungen statt. Es geht um die Zukunft des Rundfunks in Bremen, Datenkraken und die Wirksamkeit nationaler Gesetze zum Datenschutz, und die europäische Kultur- und Kreativwirtschaft – mit anschließender Party!

Montag, 21.11.11 || 19.30 Uhr im Presseclub Bremen, Schnoor 27/28
Zwischen LOKAL und DIGITAL – Die Zukunft des Rundfunks in Bremen

Wo stehen wir heute, wo wollen wir hin und welchen Herausforderungen wird sich der Rundfunk stellen müssen? Diese Fragen werden Brigitta Nickelsen (Direktorin für Unternehmensentwicklung und Betrieb von Radio Bremen), Mona Rübsamen (Geschäftsführerin und Programmdirektorin Flux.FM) und Uwe Parpart (Beauftragter für Bürgerrundfunk der Bremischen Landesmedienanstalt) an diesem Abend diskutieren. Die Podiumsdiskussion wird von Carsten Werner (Sprecher für Kultur- und Medienpolitik der Grünen Bürgerschaftsfraktion) moderiert.

Eintritt frei. Weitere Infos findest Du hier: [B90/DIE GRÜNEN]

Mittwoch, 23.11.11 || 20.00 Uhr im Haus der Wissenschaft, Sandstraße 4/5
Welche Grenzen gelten für Google und Facebook?

Soziale Netzwerke wie Facebook, Google+ und Co. sind fester Bestandteil des Alltags vieler Menschen. Immer wieder sorgen die Unternehmen durch neue Funktionen und Änderungen an den Nutzungsbedingungen für Entrüstungsstürme seitens der Datenschützer. Der Bremer Rechtsprofessor Benedikt Buchner referiert an diesem Abend über die Macht der Unternehmen, die Wirksamkeit nationaler Datenschutz-Gesetze und widmet sich auch der Frage, ob es nicht letzlich auf den Nutzer selbst ankommt – letztlich ist er es, der seine Daten freiwillig preisgibt.

Eintritt frei. Weitere Infos findest Du hier: [Uni Bremen]

Samstag, 26.11.11 || 18 Uhr in der der Stauerei, Cuxhavener Straße 7
EXPEDITION – das kreative Europa kommt nach Bremen!

Der Bremer Klub Dialog hat im Sommer zwölf Kreative auf Europareise geschickt. Der Auftrag: Spannende Projekte der Kultur- und Kreativwirtschaft entdecken. An diesem Abend präsentieren sie ihre Entdeckungen und haben davon sogar ein paar im Gepäck! Anschließend ist noch Zeit zum Austausch a.k.a. Netzwerken und dann wird gefeiert!

Eintritt n.b. Weitere Infos findest Du hier: [Facebook]

Niemals Fuck The Forrest

Natürlich soll die Abschlussarbeit einen tollen Titel tragen. Aber sie muss auch vorbereitet, und geschrieben werden…

Da sitzt er nun, der arme Student, bereitet sich auf den Abschluss vor und fühlt sich so klug als wie zuvor. Okay, das humpelt und tut auch meinem Kopf weh, entschuldige. Aber die beschriebene Situation können sicherlich viele Studenten nachfühlen. Abschlussarbeit? Thema? In einigen Disziplinen sollen Themen ja vorgegeben werden. Ich gehöre aber zu jenen, die die Qual der  (freien) Wahl haben.

Also in die Hände gespuckt (vor zwei Monaten) und überlegt: Thema, Fragestellung, Datenbasis/Methodik, Betreuer… Der fleißige Student verfasst ein nicht allzu langes Exposé, in welchem er seine Ideen ausführt und somit sich selbst und den Betreuern zeigt, dass er versteht und weiß, worauf er sich einlässt.

Weil ich ein braver Student sein will, werde ich in den kommenden zwei bis drei Wochen ein Exposé verfassen. Zu meinem Thema Fernsehen, welches ich bereits in einem anderen Beitrag erwähnt habe. Mehr dazu, wenn ich die Fragestellung konkretisiert habe. Vielleicht wird es aber doch noch ein ganz anderes Thema. Nachwehen des #a2n_camps in Berlin…

Überlegungen hin oder her, das Exposé muss her. Ready, steady, go!  Das klingt zwar toll, ist aber wie Fuck the Forrest als Titel für eine (wissenschaftliche) Abschlussarbeit nicht geeignet. Auch dann nicht, wenn es sich um ein pornographisches Thema handelt, sagt mein Prof. Aber für den Titel kann ich mir ja noch ein wenig Zeit lassen.