Online forschen und Forschungsethik: Blogge und tweete, aber mach es nicht öffentlich!

Darf ich das eigentlich? Ich meine, über meine Abschlussarbeit bloggen. Wie konkret darf ich dabei sein und welche Maßnahmen muss ich ergreifen, um forschungsethisch korrekt zu arbeiten?

Hatte ich noch vor wenigen Monaten kühn geschrieben, ich wolle meine Master Thesis online begleiten, so stelle ich mir nun immer mehr Fragen: Darf ich eigentlich öffentlich über meine Aktivitäten bloggen? Welche Informationen darf ich publizieren? Reicht ein Hinweis in der Arbeit, dass möglicherwiese Inhalte zu einem Teil oder in Gänze auf dieser Seite veröffentlicht (und diskutiert) wurden? Wär ich dann fein raus? Denn grundsätzlich versichere ich mit der Abgabe der Arbeit ja, diese eigenständig angefertigt und alle verwendeten Quellen angegeben zu haben.

Ich will wissen, wie andere mit diesen Fragen umgegangen sind und führe eine schnelle (und unsaubere) Suche bei Google durch. Ich rufe zwei Beispiele auf: Während das eine geschlossen und leer ist, ist das andere mit Einträgen gefüllt, stellt sogar Exposé und Präsentation zum Download bereit und ist darüber hinaus auf Kommunikation ausgelegt! Der Autor hat sogar auf Kommentare geantwortet. Saubere Arbeit! 🙂 Nur leider finde ich in beiden Fällen keine Möglichkeit, Kontakt mit den Autoren aufzunehmen.

Mir fällt ein, dass ein Freund über seine Abschlussarbeit gebloggt hat und frage ihn zu seinen Erfahrungen. Er schreibt:

Mit meiner Betreuerin und meinem Betreuer war das nicht abgesprochen und ist auch nicht in die Bewertung eingegangen. Leider. Es wurde kaum wahrgenommen, eher nur als begleitend und strukturierend für mich.

Obwohl das Blog nicht genehmigt war und auch keine Diskussion entstand, weist er auf einen ganz gewinnbringenden Aspekt hin: Struktur. Tatsächlich arbeite ich anders, wenn ich weiß, dass ich darüber blogge. Anstatt alles Gelesene anzuhäufen. in Notizen zu fassen und irgendwann den Durchblick zu verlieren… sortiere ich alle Informationen zeitnah und sorge so für einen besseren Überblick.

Mein Erstprüfer zu der Ide, ein Blog zu führen: „Klar, machen Sie’s!“ – und mögliche Kommentare von Besuchern des Blogs, die konkrete Tipps und Kritik enthalten? „Wenn Sie in der Bibliothek vor dem Bücherregal stehen und Ihnen jemand einen Tipp gibt, ist es genau das Gleiche“, sagt er und sieht somit keinen Hinderungsgrund.

Nun stellt sich hinsichtlich der Forschungsethik eine ganz wichtige Frage: Wie wahre ich die Anonymität meiner Interviewpartner?

Zwar werde ich alle Namen für die Arbeit anonymiseren, doch sind alle Blogbeiträge, Tweets und sonstige Interaktionen öffentlich! Da ich Interviews führen möchte, muss ich die Nutzer auch geschützt kontaktieren können. Die Interviews sind im besten Fall sehr aufschlussreich, d.h. detailliert und persönlich. Es geht also auch um Privatsphäre.

Nehmen wir einmal an, dass Max, alias @maxmustermann, mir in einem öffentlichen Tweet @beispielbaerbel empfiehlt. Bärbel findet das Forschungsprojekt ganz interessant und ich darf, nach Kontaktaufnahme per Direktnachricht, ein Interview mit ihr führen. Das Interview enthält persönliche Details zu ihrem Tagesablauf, ihren Interessen, Vorlieben usw. In der Arbeit gebe ich Bärbel den Namen Nicki. Das Problem mit der Anonymität besteht darin, dass bei Twitter auch im Nachhinein erkennbar ist, dass Max mir Bärbel empfohlen hat. Um mit Bärbel Kontakt aufnehmen zu können, müssen wir uns gegenseitig folgen – dann liegt nahe, dass ich mit ihr ein Interview geführt habe. Bei gut fünf Interviews wird es dem Leser sehr einfach fallen, Bärbel zu identifizieren. Möglicherweise liest jemand die Arbeit, erkennt Nicki als Freundin Bärbel und spricht sie später auf Informationen an, die nur aus der Arbeit sein können. Unangenehm, oder?

Auf der einen Seite bin ich verantwortlich für den Schutz meiner Interviewpartner. Da ich online und öffentliche forsche, tragen auch meine Interviewpartner einen Teil der Verantwortung. Das muss ich entsprechend kommunizieren.

A propos Kommunikation: Nachdem ich nun in der vergangenen Woche bereits aufgerufen habe, mir Tipps zu geben, habe ich einige Tage Zeit gehabt, über das Feedback nachzudenken. Eine Konsequenz ist, dass ich zwar weiter über meine Abschlussarbeit blogge, aber nicht in diesem Blog. Um eindeutig aufzeigen zu können, dass ich Student an der Universität Bremen bin und als Forscher blogge und twittere, ziehe ich um…

Ab sofort geht es auf dem Blog Twittern über Fernsehen weiter,  welches von der Universität Bremen gehostet wird. Ich beginne gerade damit, alles einzurichten. Inwiefern der neue Account bei Twitter sinnvoll ist, wird sich noch zeigen 😉 Ich halte euch darüber auf dem Laufenden und er kann natürlich auch als Kontaktmöglichkeit genutzt werden.

Vielen lieben dank all jenen, die mich bereits durch Tipps, Kritik, Retweets und Ähnliches unterstützt haben 🙂

Advertisements

going .plus – again!

It’s been a while since I set up this blog and then again I didn’t write anything following the post about my account at delicious.com. So what happened? And what is going to happen?

Okay, this might sound like a false excuse but honestly, there’s more to do when you come back from a semester abroad than reading and writing 😉 In August I moved from my hometown to Bremen again, had to arrange some things and was pretty busy doing my job as student assistant. Then again I intended to publish posts but even before writing them I got stuck thinking about the correct English phrasings and other things.

Today is the first of September and I’m back for good. You might have noticed that I have changed the blog’s title and the theme… even though I didn’t publish anything. I figured it’s because I want to blog in English. Which is a pretty good idea I guess – but not if I really want to get this started. Conclusion: I will continue blogging in German.
So if ever you stumble upon one or another post that you’re interested in, let me know and I’ll do my best to have a proper translation for you. I know Google’s Translate is pretty good but some mistakes are really bad 😉

Throughout the next months I will mainly focus on two things:

  1. My M.A. thesis
    I haven’t decided yet what to write my M.A. Thesis about – although I can already tell that it will be about TV. Very probably 😀 You’ll learn more about it pretty soon.
  2. The AHA Project
    In my spare time I’m doing my best to support a hands-on-museum by caring for their Website. The projects‘ goal is to enable the associations‘ members to care for the online content themselves. Therefore we’ll work on a re-design and set up a proper Content Management System (CMS).

Thanks for stopping by! See you later 🙂