Das Smartphone als Diktiergerät

Für mein Studium musste ich ja schon das eine oder andere Interview führen. Das macht Spaß und ist mega spannend! Dafür habe ich mir stets in der Medienstelle der Universität Bremen ein Diktiergerät ausgeliehen. Nun war ich die vergangenen Tage journalistisch unterwegs und hatte natürlich vergessen, mich rechtzeitig um ein Diktiergerät zu kümmern. Dafür erinnerte ich mich an das Gerät in meiner rechten Hosentasche: Mein Smartphone.

Smartphones sind, wie ich finde, Spielzeuge für große Kinder 😉 und echte Lebensretter! Tatsächlich hatte ich vor einiger Zeit eine App mit dem Namen Evernote installiert. Evernote speichert Memos, auch mit Dateianhängen und Audioaufnahmen. Die Memos werden in der Cloud gespeichert und sind somit überall aufrufbar. Die Lösung oder nur eine Notlösung? Während der Fahrt mit der Tram wollte ich die Funktionen auf Herz und Nieren testen. Pustekuchen. Vier Systemcrashs und gleich viele Neustarts später entschied ich mich, das Gerät einfach in Ruhe zu lassen… Zu meiner Freude lief das System zum Zeitpunkt des ersten Interviews wieder störungsfrei.

An interview for television.

An Interview For Television. Image via Wikipedia by Dennis Mojado CC-BY-2.0

Nur die Interviewpartner schienen leicht irritiert zu sein, weil ich ihnen mein Handy vor die Nase legte. Zum Teil zeigten sie auch Berührungsängste mit dem Gerät, obwohl das  gar nicht berührt werden musste. Das Display blieb die ganze Zeit beleuchtet, lenkte an sich aber keine Aufmerksamkeit auf sich. Jedenfalls waren die drei Interviews durchaus lehrreich und ich präsentiere: Drei Tipps für den Einsatz von Smartphones als Diktiergerät.

  1. Stelle sicher, dass der Akku aufgeladen ist.
  2. Stelle sicher, dass das Handy auf lautlos gestellt ist. Die Systemsounds könnten sonst aufgenommen werden, also die Aufnahme stören.
  3. Stelle sicher, dass das Handy im Flugmodus ist. Eingehende Anrufe oder SMS sowie der Vibrationsalarm könnten ebenfalls aufgenommen werden, bzw. sofern Punkt 2 beherzigt wurde, den Interviewpartner einfach irritieren. Sonst schaltet man sein Handy doch auch aus oder auf lautlos 😉

Zurück an die Arbeit. Leider ging es dann nicht ganz so einfach und spaßig weiter. Die Aufnahmen sind fest in die Memos der App integriert. Die im Audioformat AMR gespeicherten Dateien fand ich nicht auf Anhieb auf der Speicherkarte des Smartphones und auch der Download der Dateien über die Website, mit den Browsern Chrome und Firefox, schlug fehl, da ich keinen Download der einzelnen Bestandteile des Memos finden konnte. Ich habe mich nicht geschlagen gegeben und noch einmal durch die kryptischen Ordner der App geklickt und schließlich entdeckt, dass die Dateien nicht im Format AMR gespeichert wurden, sondern nur entsprechend codiert sind. Die Aufnahmen sind im Format DAT hinterlegt und können ohne Probleme auf den Computer übertragen werden. Ubuntu 11.10 erkannte sogar das Audioformat und spielte die Dateien mit dem VLC Player ab.

Alles gut? Klar, auf der einen Seite sind die Vorteile: Der Umfang der Memos und Audioaufnahmen ist nur durch die Speicherkapazität des Geräts begrenzt. Trotz der ausgesprochen guten Qualität der Audioaufnahmen, die sich allerdings aufgrund der Hardware von Gerät zu Gerät unterscheiden wird, sind die 20-30 Minuten langen Interviews nicht größer als 4-5 MB! Dadurch ist die Synchronisation mit der Cloud gar nicht mal so kostspielig. Zu meiner Freude bietet Evernote nicht nur die Möglichkeit an, die Synchronisation vollständig zu deaktivieren, sondern auch die Erlaubnis für den Abgleich der Memos auf die Verfügbarkeit einer aktiven WLAN-Verbindung zu begrenzen. Der Vorteil der Synchronisation ist klar: Die Daten sind plattformunabhängig aufrufbar – es ist durchaus von Vorteil, wenn, die Codecs und Plugins installiert sind – und ein Datenverlust ist somit so gut wie ausgeschlossen. Auf der anderen Seite finden sich aber auch mögliche Nachteile: Die Aufnahmen ließen sich nicht ohne Weiteres auf den Computer übertragen, was bei längeren Interviews durchaus wünschenswert ist. Erst auf dem Computer können dann auch entsprechende Programme zur Transkription eingesetzt werden. Und der Einsatz wirft Fragen auf, wie ich finde: Denn die digitale Aufnahme wurde mir gestattet, aber gehört auch die Speicherweise dazu? Ich meine, die Speicherung in der Cloud? Zumal es sich um einen kommerziellen Anbieter handelt. Einmal im Netz, nie vergessen? Wie sieht es da aus mit Datenschutz? Whistleblower adé?

Ich bin sicherlich nicht der Erste, der sein Smartphone als Diktiergerät genutzt hat. Gibt es Alternativen zu Evernote? Sind einfache Diktiergerät-Apps, falls sie existieren, genauso sexy? Ich bin auf eure Kommentare gespannt.