Niemals Fuck The Forrest

Natürlich soll die Abschlussarbeit einen tollen Titel tragen. Aber sie muss auch vorbereitet, und geschrieben werden…

Da sitzt er nun, der arme Student, bereitet sich auf den Abschluss vor und fühlt sich so klug als wie zuvor. Okay, das humpelt und tut auch meinem Kopf weh, entschuldige. Aber die beschriebene Situation können sicherlich viele Studenten nachfühlen. Abschlussarbeit? Thema? In einigen Disziplinen sollen Themen ja vorgegeben werden. Ich gehöre aber zu jenen, die die Qual der  (freien) Wahl haben.

Also in die Hände gespuckt (vor zwei Monaten) und überlegt: Thema, Fragestellung, Datenbasis/Methodik, Betreuer… Der fleißige Student verfasst ein nicht allzu langes Exposé, in welchem er seine Ideen ausführt und somit sich selbst und den Betreuern zeigt, dass er versteht und weiß, worauf er sich einlässt.

Weil ich ein braver Student sein will, werde ich in den kommenden zwei bis drei Wochen ein Exposé verfassen. Zu meinem Thema Fernsehen, welches ich bereits in einem anderen Beitrag erwähnt habe. Mehr dazu, wenn ich die Fragestellung konkretisiert habe. Vielleicht wird es aber doch noch ein ganz anderes Thema. Nachwehen des #a2n_camps in Berlin…

Überlegungen hin oder her, das Exposé muss her. Ready, steady, go!  Das klingt zwar toll, ist aber wie Fuck the Forrest als Titel für eine (wissenschaftliche) Abschlussarbeit nicht geeignet. Auch dann nicht, wenn es sich um ein pornographisches Thema handelt, sagt mein Prof. Aber für den Titel kann ich mir ja noch ein wenig Zeit lassen.

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Nicht die letzte Sendung

Ich bin sicher, dass ich zur letzten Generation von Fernsehleuten, Reportern und Moderatoren gehöre, die bundesweit bekannt sind.

 Rakers, Judith (2011): Die letzte Sendung.
Online : www.welt.de [6.10.11]

Das Fernsehen stirbt, so Judith Rakers in ihrem Beitrag für welt.de. Denn immer mehr Menschen nutzen das Internet und Informationen on demand führen zu einem Leben in einer Informationsblase, in der das Rauschen uninteressanter Informationen nicht existiert. Deswegen werden Identitäten neu ausgehandelt, die eigene, die lokale, regionale und nationale. In der Folge wird die Gesellschaft gespalten. Alles im und wegen des Internets.

Dabei ist das Internet, wie es vielerorts klingt, keine zweite Realität oder irgendein andersartiger Raum. Das soziale Netzwerk ist dabei genauso real wie der Coffee Shop um die Ecke! An beiden Orten wird der Mensch gleichermaßen sozialisiert – er ist und bleibt lokal und regional verbunden. Klar, hinzu kommen transnationale und transkulturelle Prägungen, aber die existierten auch schon vor der Erfindung des Internets. Die Informationsblase wiederum kann man sich schaffen, oder auch nicht. Es muss nicht immer Google sein! Doch selbst wenn, dann werden Fehler immer wieder auftreten, denn die Software kann nur in dem Maße besser werden, in dem der Mensch sie nutzt. Perfekt wird sie (hoffentlich) nie sein. Man darf auch die sozialen Netzwerke, die Empfehlungen von Freunden nicht vergessen, die für „Störungen“ im Informationsfluss sorgen. Die zitierten Nutzungszahlen beziehen sich, soweit ich sie verstehe, obendrein nur auf die reine Internetnutzung. Neben der reinen Verbreitung der Internetnutzung müssten weitere Faktoren berücksichtigt werden: Die Nutzungszeit von Internet und Fernsehen, parallele Nutzung und es fehlt eine (anwendungsorientierte) Definition von Internet und Fernsehen.

Was ist Fernsehen für Frau Rakers? Ich denke sie spricht vom broadcasting TV, der Ausstrahlung eines linearen Programms im 24/7 Sendebetrieb, die 1 to many Kommunikation – dafür spricht der von ihr angebrachte Vergleich mit der Zeitung, in der immer wieder unwichtige Informationen mitgelesen werden – und dem Fernsehen als Informationsquelle. Fernsehen ist aber mehr als nur die Ausstrahlung eines linearen Programms, ist mehr als nur Information. Fernsehen ist vor allem ein kulturelles Produkt, ist auch Couch Potato Culture [1].

Wir sollten nicht in Untergangsfantasien schwelgen, sondern lieber etwas tun, um aus den alten Medien neue Medien zu gestalten.

Haas, Sabine (2011): Das Ende des Fernsehens?
Online: www.result-blog.de [6.10.11]

Fernsehen ist nicht nur Information. Es ist vor allem ein Medium der Freizeit, der Entspannung und Passivität – der Computer wiederum ist für die Arbeit gedacht [1]. Im www sind Informationen in sekundenschnelle abrufbar, und sie verbreiten sich mindestens ebenso schnell: read, write, share, like, usw. Ist das Fernsehen zu langsam? Kann es gegen die Empfehlungen nicht ankommen?

Das Produkt Fernsehen befindet sich im Wandel: Connected oder Smart TVs sind auf dem Vormarsch, neue Distributionskanäle werden erschlossen, Multi Screen Strategien für neue Endgeräte entwickelt, mobil und sozial sind nur zwei Schlagworte für das Fernsehen der Zukunft. Längst wird während des Tatorts getwittert, Videoclips der letzten Staffel DSDS über die sozialen Netzwerke ausgetauscht, geliked und diskutiert. Es werden bereits neue Wege gegangen, z.B. indem offizielle Hashtags für Tweets bekannt gemacht werden. Wie erfolgreich dies sein kann, zeigten auch die MTV VMA’s dieses Jahres (vgl. mashable.com zur parallelen Nutzung von Twitter). Selbst die ARD/ZDF-Onlinestudie weist für dieses Jahr ganze 21% der Internetnutzer als Fernsehzuschauer aus, die live über das Internet Fernsehen. VoD Services werden von 29% genutzt (vgl. ard-zdf-onlinestudie.de: Pressemitteilung 2011). Soll heißen: Live TV wird auch über das Netz konsumiert! Und das trotz Netzfilmen und webvideos!

Das broadcasting TV erfreut sich also nach wie vor einer gewissen Beliebtheit, daran ändert auch das Internet nichts. Es ist also noch weit entfernt von einem Ende. Es erfindet sich neu, passt sich an; gestorben wird später. Die Verbreitung von Informationen stellt scheinbar tatsächlich eine Herausforderung dar. Wer will sich am Abend die Nachrichten ansehen, über die er tagsüber bereits alles erfahren hat? Hier könnten Second Screen Lösungen greifen, die die Nachrichtensendung um weitere Dimensionen bereichern: Direkter Zugang zu Archiven mit Hintergrundinfos, Videos, Fotos, Chat, Tweet-Feed, etc. Live und automatisierte Übertragung auf den second screen vorausgesetzt.

Gehört Frau Rakers nun trotzdem zu der letzten Generation bundesweit bekannter Persönlichkeiten aus dem live TV? Ich denke die Antwort ist nein. Die Kultur der Couch Potatos wird genauso Bestand haben, wie die Kultur des broadcasting TV, der TV Spektakel und Nachrichtensendungen, der Film und natürlich der TV Stars.

[1] Gentikow, Barbara (2010): Television use in new media environments. In: Gripsrud, Jostein (ed.): Relocating Television. Television in the Digital Context. New York: Routledge. pp. 141-155.

Fernsehen, und dann?

„Sie befinden sich noch in der Orientierungsphase?“, fragte mein Professor und ich bejahte fix. Das half zwar beim Kolloquium im August, nicht aber in diesem Monat und so musste ich dann doch etwas erzählen – zu meiner Master Thesis.

Das Fernsehen, das steht fest, ist der Phänomenbereich, mit dem ich mich auseinandersetzen möchte. Das mag vielleicht irritieren, sollte es aber nicht. Das Fernsehen ist und bleibt spannend: In so gut wie jedem Haushalt findet sich mindestens ein Empfangsgerät, in vielen Wohnzimmer ist es der Mittelpunkt, Fernsehen ist sozial, es begeistert und langweilt, es informiert und dient der Entspannung, es leistet einen Beitrag zur öffentlichen Meinungsbildung, es wirbt, kritisiert und regt Diskussionen an. Vor allem ist es ein niedrigschwelliges, einfach zugängliches Medium!

Wie eignen sich behinderte/gehandicapte/benachteiligte Menschen das Fernsehen an?

Während des Studiums beschäftigte ich mich mit der Aneignung von Medien durch Jugendliche und „alte Menschen“. Während einer der Erhebungsphasen, führte ich ein Interview mit einer (leicht) schwerhörigen Jugendlichen durch. Das Hörgerät wurde zwischendurch auch abgeschaltet. Spannend war dann auch die Schilderung ihres Telefonverhaltens: Sie telefoniere quasi täglich, auch mehrere Stunden, nutze aber nicht immer ihr Hörgerät. Natürlich würde sie nicht alles verstehen, das würde schon das Telefon (Hörer) erschweren, aber sie müsse ja auch nicht immer alles wissen und nachfragen und nachfragen und nachfragen…

In der Folge entstand die Frage, wie sich gehandicapte Menschen Medien, bzw. konkret das Fernsehen, aneignen. Dabei interessieren mich weniger körperlich eingeschränkte Menschen, sondern jene mit geistigen – bitte verzeiht, ich bin noch auf der Suche nach „politisch korrekten Begriffen„! Mich interessiert, welche Sender und Formate von Interesse sind, wie die Inhalte wahrgenommen und verarbeitet werden, welche Handlungen daraus resultieren und ob und wie über das Fernsehen kommuniziert wird.

Erstaunlicherweise habe ich für diese Frage bisher am meisten Zuspruch erhalten. Andererseits habe ich bisher kaum Literatur finden können. Dabei gilt es erst einmal wichtige Fragen zu beantworten: Welche Art Handicap(s) kämen für ein Interview oder andere (ethnographische) Methoden in Frage? Wie kann so eine Datenerhebung aussehen?

Second/Multiple Screens:
Was machen Menschen, während sie Fernsehen?

Das Radio ist ein Nebenbeimedium. Das Fernsehen wird zum Nebenbeimedium. Wirklich? Ich gebe zu, so ganz fit bin ich in diesem Themenbereich noch nicht. Klar ist, das kann jeder an sich selbst überprüfen, dass der Fernseher oft läuft, während wir einen Artikel in einer Zeitung/Zeitschrift lesen, am Notebook/Netbook/Tablet oder Smartphone Informationen suchen, online shoppen oder mit Freunden kommunizieren. Manchmal hängt das dann auch mit dem laufenden Fernsehprogramm zusammen.

Eine aufschlussreiche Präsentation zum Thema Multiscreen hat das Precious Design Studio auf slideshare.com veröffentlicht:

Patterns for Multiscreen Strategies

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Multiple Screens sollten miteinander kommunizieren können. So „weiß“ das Smartphone/Netbook/Notebook was ich mir gerade im Fernsehen ansehe – und es ergeben sich neue Anwendungsmöglichkeiten. Zu dem Werbesport im Fernsehen, der beispielweise Kleidung bewirbt, kann das entsprechende Angebot auf dem second screen geladen und somit direkt eingekauft werden. Sieht man aber einen Film, oder eine Serie, so kann das zweite Gerät beispielweise Informationen zu den Schauspielern, der Epidose, Story, Drehorten, Kleidung etc. liefern. Oder das YouTube-Video unterwegs – ohne Suche und Vorspulen – auf dem Smartphone angesehen werden.

Die ersten Start-Ups scheinen allerdings vor allem auf soziale Interaktionen aus zu sein, wie der Artikel Second Screen: TunedIn, tweek und Zapitano machen Fernsehen sozial von Alexander Hüsing nahelegt. Zukunftsträchtig scheint mir vor allem waydoo.de zu sein, da es den oben beschriebenen Anwendungsbeispielen schon sehr nahe kommt und nicht alleine auf Kommunikation aus ist.

Andererseits verweist Christina Bonnington in ihrem Artikel über SmartTVs auf den ausbleibenden Erfolg der Smart TV. So heißt es in ihrem Artikel:

“What’s happening in the connected TV space is it’s not really about what consumers want, it’s about what manufacturers are making,” Forrester principal analyst James McQuivey says. “Simply having a connected TV doesn’t mean you’ll actually use it.”

Im Artikel wird auch auf die eher mittelmäßige Usability hingewiesen. Wenn SmartTVs wenig Erfolg haben, werden bzw. können Multiscreen Konzepte erfolgreich sein? Ein beeindruckendes Beispiel schildert Eric Spiegelman in BUS YOUR OWN TRAY: Das auf dem iPad gefundene Video hat er durch Kommunikation der Geräte ohne Probleme auf das Fernsehgerät übertragen, und somit auf einem größeren Bildschirm sehen können.

Für die Master Thesis interessiert mich vor allem, was Menschen alles während des Fernsehens machen: Inwiefern hängt das mit dem Fernsehprogramm zusammen? Welche Anwendungsszenarien ergeben sich aus dem bisherigen Netzungsweisen für Second/Multiple Screens? Wie erfolg erfolgsversprechend können diese sein? Neue Möglichkeiten, alter Inhalt – oder Innovation im Bereich der Sendeformate und Interaktionsmöglichkeiten?

Fernsehen, und dann?

Beide Themen befassen sich mit der Aneignung des Fernsehens. Beide Themen sind spannend, wie ich finde – denn es geht darum, was Fernsehen eigentlich (subjektiv) ist, nicht was es (ojektiv) sein soll(te) 🙂

Es wird wohl kaum überraschen, dass ich mich für eines der Themen entscheiden muss. Zunächst werde ich mich zu beiden Themen schlau lesen und eventuell auch mit möglichen Prüfern sprechen. Im Oktober, rechtzeitig zum Kolloquium, soll dann das Thema für meine Master Thesis feststehen.