Fernsehen, und dann?

„Sie befinden sich noch in der Orientierungsphase?“, fragte mein Professor und ich bejahte fix. Das half zwar beim Kolloquium im August, nicht aber in diesem Monat und so musste ich dann doch etwas erzählen – zu meiner Master Thesis.

Das Fernsehen, das steht fest, ist der Phänomenbereich, mit dem ich mich auseinandersetzen möchte. Das mag vielleicht irritieren, sollte es aber nicht. Das Fernsehen ist und bleibt spannend: In so gut wie jedem Haushalt findet sich mindestens ein Empfangsgerät, in vielen Wohnzimmer ist es der Mittelpunkt, Fernsehen ist sozial, es begeistert und langweilt, es informiert und dient der Entspannung, es leistet einen Beitrag zur öffentlichen Meinungsbildung, es wirbt, kritisiert und regt Diskussionen an. Vor allem ist es ein niedrigschwelliges, einfach zugängliches Medium!

Wie eignen sich behinderte/gehandicapte/benachteiligte Menschen das Fernsehen an?

Während des Studiums beschäftigte ich mich mit der Aneignung von Medien durch Jugendliche und „alte Menschen“. Während einer der Erhebungsphasen, führte ich ein Interview mit einer (leicht) schwerhörigen Jugendlichen durch. Das Hörgerät wurde zwischendurch auch abgeschaltet. Spannend war dann auch die Schilderung ihres Telefonverhaltens: Sie telefoniere quasi täglich, auch mehrere Stunden, nutze aber nicht immer ihr Hörgerät. Natürlich würde sie nicht alles verstehen, das würde schon das Telefon (Hörer) erschweren, aber sie müsse ja auch nicht immer alles wissen und nachfragen und nachfragen und nachfragen…

In der Folge entstand die Frage, wie sich gehandicapte Menschen Medien, bzw. konkret das Fernsehen, aneignen. Dabei interessieren mich weniger körperlich eingeschränkte Menschen, sondern jene mit geistigen – bitte verzeiht, ich bin noch auf der Suche nach „politisch korrekten Begriffen„! Mich interessiert, welche Sender und Formate von Interesse sind, wie die Inhalte wahrgenommen und verarbeitet werden, welche Handlungen daraus resultieren und ob und wie über das Fernsehen kommuniziert wird.

Erstaunlicherweise habe ich für diese Frage bisher am meisten Zuspruch erhalten. Andererseits habe ich bisher kaum Literatur finden können. Dabei gilt es erst einmal wichtige Fragen zu beantworten: Welche Art Handicap(s) kämen für ein Interview oder andere (ethnographische) Methoden in Frage? Wie kann so eine Datenerhebung aussehen?

Second/Multiple Screens:
Was machen Menschen, während sie Fernsehen?

Das Radio ist ein Nebenbeimedium. Das Fernsehen wird zum Nebenbeimedium. Wirklich? Ich gebe zu, so ganz fit bin ich in diesem Themenbereich noch nicht. Klar ist, das kann jeder an sich selbst überprüfen, dass der Fernseher oft läuft, während wir einen Artikel in einer Zeitung/Zeitschrift lesen, am Notebook/Netbook/Tablet oder Smartphone Informationen suchen, online shoppen oder mit Freunden kommunizieren. Manchmal hängt das dann auch mit dem laufenden Fernsehprogramm zusammen.

Eine aufschlussreiche Präsentation zum Thema Multiscreen hat das Precious Design Studio auf slideshare.com veröffentlicht:

Patterns for Multiscreen Strategies

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Multiple Screens sollten miteinander kommunizieren können. So „weiß“ das Smartphone/Netbook/Notebook was ich mir gerade im Fernsehen ansehe – und es ergeben sich neue Anwendungsmöglichkeiten. Zu dem Werbesport im Fernsehen, der beispielweise Kleidung bewirbt, kann das entsprechende Angebot auf dem second screen geladen und somit direkt eingekauft werden. Sieht man aber einen Film, oder eine Serie, so kann das zweite Gerät beispielweise Informationen zu den Schauspielern, der Epidose, Story, Drehorten, Kleidung etc. liefern. Oder das YouTube-Video unterwegs – ohne Suche und Vorspulen – auf dem Smartphone angesehen werden.

Die ersten Start-Ups scheinen allerdings vor allem auf soziale Interaktionen aus zu sein, wie der Artikel Second Screen: TunedIn, tweek und Zapitano machen Fernsehen sozial von Alexander Hüsing nahelegt. Zukunftsträchtig scheint mir vor allem waydoo.de zu sein, da es den oben beschriebenen Anwendungsbeispielen schon sehr nahe kommt und nicht alleine auf Kommunikation aus ist.

Andererseits verweist Christina Bonnington in ihrem Artikel über SmartTVs auf den ausbleibenden Erfolg der Smart TV. So heißt es in ihrem Artikel:

“What’s happening in the connected TV space is it’s not really about what consumers want, it’s about what manufacturers are making,” Forrester principal analyst James McQuivey says. “Simply having a connected TV doesn’t mean you’ll actually use it.”

Im Artikel wird auch auf die eher mittelmäßige Usability hingewiesen. Wenn SmartTVs wenig Erfolg haben, werden bzw. können Multiscreen Konzepte erfolgreich sein? Ein beeindruckendes Beispiel schildert Eric Spiegelman in BUS YOUR OWN TRAY: Das auf dem iPad gefundene Video hat er durch Kommunikation der Geräte ohne Probleme auf das Fernsehgerät übertragen, und somit auf einem größeren Bildschirm sehen können.

Für die Master Thesis interessiert mich vor allem, was Menschen alles während des Fernsehens machen: Inwiefern hängt das mit dem Fernsehprogramm zusammen? Welche Anwendungsszenarien ergeben sich aus dem bisherigen Netzungsweisen für Second/Multiple Screens? Wie erfolg erfolgsversprechend können diese sein? Neue Möglichkeiten, alter Inhalt – oder Innovation im Bereich der Sendeformate und Interaktionsmöglichkeiten?

Fernsehen, und dann?

Beide Themen befassen sich mit der Aneignung des Fernsehens. Beide Themen sind spannend, wie ich finde – denn es geht darum, was Fernsehen eigentlich (subjektiv) ist, nicht was es (ojektiv) sein soll(te) 🙂

Es wird wohl kaum überraschen, dass ich mich für eines der Themen entscheiden muss. Zunächst werde ich mich zu beiden Themen schlau lesen und eventuell auch mit möglichen Prüfern sprechen. Im Oktober, rechtzeitig zum Kolloquium, soll dann das Thema für meine Master Thesis feststehen.

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