Smart, bitte!?

Gehört den Smart TV die Zukunft? Vielleicht eher Smart Services, die dank entsprechender Geräte plattformübergreifend ein neues Fernseherlebnis schaffen.

In dem bereits verlinkten Artikel Smart TV Space may never take off as predicted, geht Christina Bonnington von einem Flop der Smart TV aus. Diese Fernsehgeräte (oder Set-Top Boxen) verfügen über einen Internetanschluss und ein eigenes Betriebssystem, welches durch Apps erweitert werden kann. Dadurch ergeben sich neue Anwendungsmöglichkeiten – die vermutlich größtenteils auf dem Fernsehgerät ausgeführt werden. So oder so ähnlich die Idee.

Bonnington schreibt hier aus einer wirtschaftlichen Perspektive, die vor allem eines aussagt: Seit Verkauf der Geräte konnten die Absatzerwartungen der Hersteller nicht erfüllt werden. Und: Die Hersteller produzieren Geräte, von denen die Konsumenten noch gar nicht wissen, dass sie diese besitzen wollen.

Fernsehen ist vor allem eine informierende und unterhaltende Aktivität, so Gentikow (2010). Die norwegische Forschergruppe DigiCult führte von 2004 bis 2007 u.a. Studien zur Fernsehnutzung durch. Die Ergebnisse: Interaktionsmöglichkeiten werden zwar erkannt bzw. sind bekannt, aber kaum genutzt. Außerdem ist eine zunehmende Fragmentierung der Inhaltsrezeption und die Parallelität mehrer Mediennutzungsaktivitäten feststellbar [1].

Gentrikow vermittelt ein passives Bild der Fernsehzuschauer. Andererseits spielten, denke ich, die sozialen Medien in dem Zeitraum (2004-2007) noch keine so große Rolle wie heute, wie bspw. die Daten zu den Zuschaueraktivitäten während der MTV VMAs 2011 zeigt. Das Fernseherlebnis wurde durch die Nutzung sozialer Dienste (und weiterer Geräte) erweitert!

But all this focus on smart TVs ignores the reality of what’s happening in the connected screen space. It’s not about how smart one particular type of screen will be. The real revolution is in how all these many screens work together to create a new type of viewing experience — and new types of consumer expectations.

Louderback (Artikel No, the Smart TV Isn’t ‚Dead‘) verdeutlicht, wie wichtig die Interkonnektivität der Geräte ist bzw. deren Ergänzungspotential. Ob das Fernsehgerät das Zentrum darstellt oder nur einen Teil ist weniger wichtig, so Richard Reisman (Kommentare) und spricht von Smart Services:

[…] the issue is smart TV services, not smart TV devices. Who cares where the smarts are?

Er verweist auf Tablet PCs wie das iPad und stellt damit das Konzept der Smart TV und Set-Top Boxen zu einem gewissen Grad in Frage. Zurecht, denn wie Gentikow in ihrem Artikel ausführte, liegt vor allem die fragmentierte bzw. parallele Mediennutzung im Trend. Wie genau aber Nutzungskonzepte für Multiple Screens erfolgreich geplant und realisiert werden können, ist noch nicht klar, so Xavier Mantilla (Kommentare):

[…] we are just scratching the surface and we have a long way to go before understanding the possibility and usage of this connected screen.

Das Smart TV sollte also nicht als die Lösung für ein (unbekanntes) Problem angesehen werden, sondern lediglich als Teil einer möglichen Lösung. Medieninhalte werden unabhängig vom Gerät konsumiert – die Frage ist, wie die genutzten Geräte miteinander kommunizieren sollten, um das Fernseherlebnis / den Medienkonsum im Sinne der Konsumenten zu augmentieren. Nicht das Gerät sollte im Mittelpunkt stehen, sondern dessen Aneignung durch den Konsumenten – und smarte Services.

[1] Gentikow, Barbara (2010): Television use in new media environments. In: Gripsrud, Jostein (ed.): Relocating Television. Television in the Digital Context. New York: Routledge. pp. 141-155.